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Werkstattbericht, der erste: Max bastelt an einem Krimi

29. Juni 2013

Es passiert mir immer wieder und es amüsiert mich immer wieder: Ich werde gefragt, ob ich gerade etwas schreibe. Und immer, wenn ich die Frage höre, möchte ich antworten: „Ja, was sollte ich denn sonst tun?“ Ich bin Autorin. Schreiben ist mein Beruf. Ich verdiene meine Brötchen und die Butter darauf dadurch, dass ich schreibe. Und weil ich es leider noch immer nicht geschafft habe, einen Bestseller zu produzieren, geht es mir wie dem Friseur um die Ecke oder dem Bäcker die Straße runter: Der Friseur schneidet immer noch Haare und der Bäcker bäckt immer noch Brötchen (auch wenn nicht ganz sicher ist, ob er den Teig dafür noch selbst macht). Ich schreibe immer noch. Ich schreibe Artikel, PR-Geschichten, mehr oder weniger längliche Texte über Pferde und ja, hin und wieder schreibe ich auch noch Bücher. Um genau zu sein: Im Moment arbeite ich sogar an zwei Büchern.

Das erste ist ein Sachbuch, in dem es – wen wundert’s bei mir? – um Pferde geht. Oder, um ganz genau zu sein: Um Pferderassen. Natürlich werde ich mich bemühen, das so informativ und dabei doch „unterhaltsam“ wie möglich zu schreiben, natürlich bilde ich mir ein, dass ich zu dem Thema noch was zu sagen habe, was nicht schon xundzwanzig mal gesagt wurde, aber der Wahrheit die Ehre: Das ist Routine, um die ich mir im Vorfeld nicht allzu viele Gedanken machen muss.

Was mich momentan mehr beschäftigt, ist der nächste Krimi – und nein, es geht nicht mit der Serie „Tierisch …“ mit der Amtsveterinärin „Fritz“ weiter. Da habe ich nämlich schon die nächsten zwei Bände fertig, was heißt, dass der vierte Band – wenn meine Fritz so lange durchhält, was ich  ihr natürlich sehr wünsche – erst im Sommer 2016 erscheint.

Darum ist jetzt eine neue Serie angesagt. Fritz kriegt eine „Schwester im Geiste“, die allerdings in einem ganz anderen Gebiet unterwegs ist: Juliane ist Musikwissenschaftlerin (ja, klar – ich wollte schon immer mal einen Musikeunuchen schreiben. Wie wir alle wissen: die MuWis wissen zwar, wie es geht, können es aber nicht), mit einem sehr charmanten Bariton verheiratet und macht mit ihm als Team in Opernregie. Und ihr erster Fall passiert dann auch prompt in der Oper: Bei der Premiere zu „Rigoletto“ kriegt derselbe den Schock fürs Leben. Rigoletto gibt bekanntlich einem Profikiller den Auftrag, den Herzog von Mantua um die Ecke zu bringen. Der hat nämlich Rigolettos geliebte Tochter Gilda ent- und verführt. Dabei muss er echt gut gewesen sein. Blondchen Gilda ist ihm nämlich so verfallen, dass sie, als sie mitkriegt, dass Väterchen einen Mörder gedungen (nein, das Wort kommt nicht von „gedingst“) hat, meint, sie müsste sich für den Geliebten opfern. Was dabei rauskommt, ist dann „typisch Oper“: Im „Figaro“ und in der „Fledermaus“ flirten die Herren mit ihren eigenen Ehefrauen und raffen es nicht, im „Rigoletto“ meuchelt der Mörder versehens die als Junge verkleidete Gilda und stopft sie in einen Sack, ohne zu merken, dass er das falsche Opfer erwischt hat (und ich habe eine Produktion mit Luciano Pavarotti als Herzog und Editha Gruberova als Gilda auf DVD. Nun war die gute Editha zwar keine Elfe, aber von „Primatonna“ war sie auch ein gutes Stück entfernt. Größen- und gewichtsmäßig war sie auf jeden Fall recht weit von Luciano Pavarotti, der auch damals – und da war er noch relativ jung – schon ein Brocken war, entfernt). Und dann kommt es noch dicker: Rigoletto übernimmt den Sack, zahlt den Mörder für den vollzogenen Auftrag, packt dann aus – und rafft erst dann, dass er nicht den toten Herzog, sondern seine sterbende Tochter im Sack hat. Gilda beißt dann auch in seinen Armen – übrigens für Opernverhältnisse sehr kurz (ich glaube, sie braucht ungefähr fünf Minuten. Bei Wagner hätte das wieder Stunden gedauert!) – ins Gras und die Oper ist aus.

In meinem Krimi ist Gilda schon mausetot, als Rigoletto sie auspackt. Und sie sieht nicht mehr gut aus. Sie wurde nämlich mit einer relativ dünnen Schlinge erwürgt, was der Schönheit definitiv abträglich ist, wie mir ein befreundeter Medizinmann mit Erfahrung in der Pathologie bestätigt hat.

Nun ist natürlich die Frage, wer die Sopranistin, die Gilda gesungen hat, zwischen ihrem letzten Auftritt und dem Einsacken um die Ecke gebracht hat. Und Julchen als Ex-Fagottistin (ja, gewisse Ähnlichkeiten zu mir hat sie schon. Nur werde ich mir erlauben, sie jünger und hübscher zu schreiben. Das nennt man „dichterische Freiheit“) kriegt immerhin schon mal raus, dass die Mordwaffe der Wickeldraht war, wie ihn Oboen, Englisch Hörner und Fagotte zum Zusammenbinden ihrer Rohrblätter verwenden. Aber von den Bläsern kann es keiner gewesen sein – die sitzen während der Oper im Orchestergraben, wo es doch sehr auffallen würde, wenn einer verschwinden würde (und nein, Pinkelpausen sind nicht vorgesehen! Von Orchestermusikern wird erwartet, dass sie es sich für die 1 ½ Stunden, die sie jeweils vor und nach der Pause im Graben sitzen, verkneifen können). Demzufolge kann’s auch nicht der Dirigent gewesen sein, wobei der allerdings Grund gehabt hätte. Er war nämlich mit dem Mordopfer verheiratet – eine sehr „stürmische“ Ehe, die gerade in einem Skandal geendet hat, weil er von einem Paparazzo dabei erwischt wurde, wie er die Frau Gemahlin bei einem Streit ein bisschen geschüttelt und mit Prügel bedroht hat. Und nachdem die Dame schon diverse Male mit merkwürdigen Verletzungen aufgetaucht ist, dient sie nun als Beispiel dafür, dass es auch in „besten Kreisen“ häusliche Gewalt gibt. Deswegen ist sie beim Herrn Gemahl ausgezogen, was der nicht eben toll gefunden hat.

So weit bin ich gediehen. Und ich habe auch schon eine Ahnung, wer die Dame umgebracht hat – aber das ist bis jetzt nur eine Ahnung. Ich grüble daran, wie ich das in die Geschichte stricke und wie ich außerdem dafür sorge, dass die schlaue Jule drauf kommt. Und wenn sich dabei noch ein bisschen „Action“ ergibt – in einem Opernhaus kann man ja, wen man jemanden umbringen will, allerlei anstellen – bin ich, wie meine englischen Freunde so schön sagen, „a happy bunny“.

Außerdem bräuchte ich, bevor ich loslegen kann, noch einen gescheiten Titel für die Story. Ich gehöre nämlich zu den absoluten „Top-Bottom-Schreibern“. Ich fange wirklich mit dem Titel an und schreibe dann gerade aus bis zu dem schönen Wörtchen „Ende“. Und damit sich die neue Serie wirklich von der anderen unterscheidet, werde ich dieses Mal eine „Ich-Erzählerin“ haben. Das hat nämlich auch den Vorteil, dass ich jede Menge Musikerwitze unterbringen kann. Und die waren ja Ausgangspunkt dafür, dass ich die Serie machen will. Ich fand’s schon immer faszinierend, dass die meisten Leute glauben, die klassischen Musiker seien todernste Künstler, die ihren Dienst in der Oper immer antreten, als ob ihnen Cosima Wagner bei der Zelebration des „Bühnenweihefestspieles“ Parsifal über die Schulter gucken würde. Und von der guten Cosima war bekannt, dass sie unter einem beklagenswerten Mangel an Humor litt. Das ist für Musiker aber eher atypisch. So ernst sie ihren Job nehmen, so gibt’s nichts, was bei ihnen nicht durch den Kakao gezogen wird. Und in der Oper gibt’s eine Menge, worüber man grinsen und feixen kann. Das soll um der „authentischen Atmosphäre“ willen im neuen Krimi mitkommen – und außerdem soll er Spaß machen. Düster und depri überlasse ich gerne den Autoren aus dem hohen Norden.

So – und nächste Woche soll’s wirklich losgehen. Drückt mir die Daumen!

Die Lieblingsrezepte der Funny Family: Spaghetti mit Pilzen in Sahne-Weißwein Sauce

3. Februar 2013

Ich weiß, dass ich Franzosen und Ungarn im Stammbaum habe, aber manchmal wundere ich mich, ob da nicht auch der eine oder andere Italiener drin war. Ich halte es nämlich kaum länger als drei Tage ohne Pasta aus und ich habe kein Problem damit, sieben Tage in der Woche Pasta zu essen. Montag Spaghetti Carbonara, Dienstag Bandnudeln mit Kapern-Sahnesauce, Mittwoch Lasagne, Donnerstag Spaghetti Vongole, Freitag Tortellini in Käsesauce, Samstag Spaghetti Aglio Olio, Sonntag Spaghetti mit Pilzen in Sahne-Weißweinsauce – der Speisezettel würde mir gefallen. Jeweils noch ein Salätchen dazu und ich wäre glücklich.

Heute gab’s Spaghetti mit Pilzen in Sahne-Weißweinsauce – und weil’s so nett war, kommt hier das Rezept:

Spaghetti in Pilz-Weißwein-Sauce

500 g Spaghetti

500 g Pilze (mein erster Versuch war mit Champignons, der nächste mit Steinpilzen. Heute waren’s wieder Champignons)

1 großer Löffel feingehackte, glatte Petersilie

2 Knoblauchzehen

250 ml trockener Weißwein

250 ml Sahne

Salz, frisch gemahlener Pfeffer, Oregano

Olivenöl

Pilze säubern* und blättrig schneiden, Knoblauch schälen und sehr fein hacken. Spaghetti in kochendem Wasser mit Salz und etwas Oregano kochen.

In einer großen Pfanne etwas Olivenöl heiß werden lassen und den Knoblauch und die Pilze darin anbraten. Mit Pfeffer und Salz würzen. Wenn die Pilze anfangen, Wasser abzulassen, mit dem Weißwein und der Sahne ablöschen und auf kleiner Flamme reduzieren. Am Ende die Petersilie darüber verteilen.

Spaghetti auf einem angewärmten Teller anrichten, Sauce darüber – fertig und guten Appetit!

* Kleiner Tipp zum Säubern von Champignons (angeblich von Tim Mälzer): In eine große Schüssel mit lauwarmem Wasser zwei Eßlöffel Mehl einrühren. Pilze darin waschen und mit Küchentuch trocken tupfen. Das Mehl im Wasser wirkt wie „Schmirgelpapier“ und entfernt den Dreck. Und was dann noch drauf ist, kann man mit einem Küchentuch abnehmen. Zudem verhindert das Mehl, dass die Champignons wässerig werden.

Und zum guten Schluss die Nachricht der Woche: Meine Krimis haben einen Verlag gefunden! Jetzt ist nur nicht sicher, ob der erste Band noch im Herbstprogramm dieses Jahr oder erst im Frühling 2014 erscheint. Doch wie auch immer: Ich freu‘ mich sehr darauf, früher oder später wieder einmal einen Krimi in Buchform zu haben. Und ich halte Euch auf dem laufenden!

Die Lieblingsrezepte der funny family: Schwäbische Maultaschen

23. Januar 2013

In meiner Kindheit war es mit einer kleinen Wanderung verbunden: Erst d’Straß nuff und am Bahndamm entlang zum Metzger Blankenhorn, um Mutters Bestellung abzuholen, dann die Straße runter an die Ecke zum Bäcker Fischer, um den Nudelkuchen zu holen. Davor musste ich aber erst die Tüte vom Metzger zuhause abliefern, denn für den Nudelkuchen habe ich beide Hände gebraucht. Der kam nämlich in einem großen, flachen Paket und mir wurde von der Frau Fischer immer gesagt: „Aber sei vorsichtig damit!“ Und so trug ich die zwei Kilo Nudelkuchen, die Mutter für gewöhnlich bestellt hat, dann eben auf beiden Händen vor mir her nach Hause. Dabei lief mir immer schon das Wasser im Mund zusammen, denn aus dem Nudelkuchen wurden Maultaschen – und die Maultaschen meiner Mutter waren die besten. 

Heute kaufe ich sehr oft fertige Maultaschen – und die von Bürger sind auch gar nicht übel. Aber so gut wie die von meiner Mutter sind sie nicht. Und weil man mittlerweile den Nudelteig nicht mehr beim Bäcker bestellen muss, sondern im Supermarkt bekommt (schauen Sie mal beim Blätterteig in der Kühltruhe. Und wenn’s da keinen gibt, haben Sie eine zweite Chance in der Gefriertruhe), mache ich zwei-, dreimal im Jahr selbst Maultaschen. Allerdings gibt’s heute dabei heute ein Problem, das meine Mutter so wohl nicht gehabt hat: Es ist gar nicht mehr so einfach, gehackten, aber nicht gewürzten und nicht mit Rahm versetzten Spinat aufzutreiben. Ich bin mittlerweile schon ein paar mal auf gefrorenen Blattspinat ausgewichen, den ich dann eben aufgetaut und durch den Mixer gejagt habe. Und ich habe auch schon ein paar mal das Bratwurstbrät durch (noch ungebackenen) Leberkäse ersetzt – geht, aber man muss es natürlich beim Würzen berücksichtigen. 

Was mich aber immer amüsiert, wenn ich im Fernsehen in irgendeiner Kochsendung jemand erlebe, der Ravioli oder Maultaschen produziert: Wenn der dann mühsam Teigstück für Teigstück ausschneidet und einzeln füllt. Das geht doch einfacher! Und ist in meinem Rezept beschrieben …

Also, machen wir

Schwäbische Maultaschen nach Mutters Rezept

250 g gemischtes Hackfleisch

250 g Brät

50 g feine Mettwurst (zimmerwarm) oder

30-50 g fein geschnittenes Rauchfleisch

250 gehackten Spinat (ohne Rahm, bitt’schön)

2 große Zwiebeln

1 Lauch

Knoblauch (nach Geschmack)

1 Bund Petersilie

Sonstige Kräuter (Oregano, Thymian, Rosmarin, Schnittlauch, Basilikum frisch oder gemahlen) nach Belieben

2 – 3 Eier (je nach Größe)

2 ausgedrückte, alte Brötchen oder 4 Scheiben Toast

Klare Fleischbrühe

500 g ausgewellten Nudelteig (gibt’s aus der Gefriertruhe)

 

Utensilien:

Ein freier Tisch😉

Ein riesengroßer Topf für die Fleischbrühe

Ein Abtropfdingens für die Maultaschen

Ein Kochlöffel mit langem, rundem Stiel

Backpinsel mit Wasser

Ausrädeldingsbums

 

So – und nun ans Werk:

 

Zwiebeln, Lauch, Petersilie und Knoblauch fein wiegen, andämpfen.

 

Alle Zutaten (bis auf den Nudelteig natürlich!) in der Rührmaschine vermanschen.

 

Nudelteig aus dem Tisch auslegen, Hälfte markieren. Die eine Hälfte mit der Füllung bestreichen, so dass ein ca. 2 cm breiter Rand an den Seiten und unten frei bleibt. Rand mit Wasser bestreichen. Die andere Hälfte des Teiges darüber klappen, Rand andrücken.

 

Mit dem Stiel des Kochlöffels lange Streifen (einmal quer über die Breite des Nudelteigs) abdrücken und ausrädeln. In den einzelnen Streifen je drei Quadrate abdrücken, ausrädeln.

 

Maultaschen vorsichtig in der simmernden Brühe versenken, ziehen lassen, bis sie fertig sind (dann wellt sich der Nudelteig … und wenn man nicht ganz sicher ist, kann man ja an einem Zipfelchen Nudel probieren), herausheben, abtropfen lassen, nächste Portion Maultaschen rein (alle gehen eh nicht in einen Topf).

 

Achtung: Wenn man einen Teil der Maultaschen einfrieren will, sollte man etwas mehr würzen. Die Füllung verliert beim Auftauen etwas Geschmack.

 

 

Die Lieblingsrezepte der funny family: Zwiebel- und Speckbrot

21. Januar 2013

Wir sind eingeschneit, wobei unser Problem weniger der Schnee ist – der liegt nicht so hoch, dass ich mich nicht mehr trauen würde, darin zu fahren – als die Tatsache, dass es darunter überall gefroren ist. Und da unser vierradgetriebenes Auto momentan mit dem Riesensohn unterwegs ist beziehungsweise nicht unterwegs ist und unsere anderen Autos keine Winterreifen haben, sitzen wir fest. Und dass wir keine Winterreifen auf den Autos haben, liegt daran, dass der Herr Professor die typisch englische Ansicht vertritt, dass es in England nicht schneit. Und wenn es denn doch einmal schneien sollte (was es übrigens, seit ich mit ihm zusammen bin, jeden Winter getan hat!), bleibe der Schnee ja eh nicht liegen. Bleibe er aber doch mal liegen, dann garantiert nicht länger als einen Tag. Und wegen einem Tag im Jahr schafft er doch keine Winterreifen an! Er lebt doch nicht jenseits der Kultur in den Yorkshire Dales oder hinter den walisischen Bergen (bei den sieben Zwergen), sondern in Oxfordshire, in „the middle of England’s green heart“! Da braucht man keine Winterreifen.

Abgesehen davon, dass man bei uns keine Winterreifen braucht, würden sie einem – so hat er mir eben mit bestechender Logik ausgeführt – eh nicht viel nützen. In Deutschland kommt im Winter, wenn die Straßen verschneit oder gar vereist sind, der Räumdienst und streut. In England dagegen scheint es keine Räumfahrzeuge zu geben (wieso denn auch, wo es doch in weiten Teilen der Inseln – wie zum Beispiel in Oxfordshire – nie schneit?). Dafür aber hat die Polizei offenkundig in jeder Grafschaft ein großes Lager, in dem sie rote Kegelchen und Schilder mit der Aufschrift „Road closed“ aufbewahrt. Im Winter werden die großzügig in der ganzen Gegend verteilt. So kann’s einem bei uns durchaus passieren, dass man es geschafft hat, sich von unserer Privatstraße auf die Hauptstraße durchzukämpfen und sich auf der dann wundert, dass man so alleine ist. Spätestens da, wo sie in eine noch größere Straße mündet, wird einem dann klar, warum: Da stehen dann nämlich die roten Kegelchen und man sieht das Schild „Road closed“ von hinten. So weit, dass sie es an unsere Einmündung stellen würden, geht’s bei der Polizei nämlich nicht – die packt es immer ungefähr einen Kilometer davor an den Ortsausgang und geht dann davon aus, dass wir schon merken werden, dass die Straße vereist beziehungsweise verschneit ist. Und wenn’s denn halt so ist, bleibt man als Engländer zuhaus‘.

Bei uns hat das gestern dazu geführt, dass das Brot ausgegangen ist. Aber das ist kein Problem: Hefe und Mehl habe ich immer im Haus. Also wurde gebacken – und zwar Speckbrot für mich und Zwiebelbrot für den Herrn. Hier kommen die Rezepte:

 

Zwiebelbrot

750 g Mehl*

250 ml Milch

2 Zwiebeln

1 Würfel Hefe

½ TL Zucker

1 TL Salz

etwas Fett zum Rösten der Zwiebel

 

Die Zwiebel in der Pfanne rösten, das Mehl in eine Schüssel sieben, in der Mitte eine Mulde formen, die lauwarme** Milch, den Zucker und die zerbröselte Hefe hineingeben und kurz gehen lassen. Anschließend den Teig mitsamt den Zwiebeln und dem Salz (gerne auch mit der Maschine) zusammen kneten. Mit etwas Mehl bestäuben und an einer warmen Stelle unter einem sauberen Tuch solange gehen lassen, bis er sich ungefähr verdoppelt hat.

Backofen auf 200° C vorheizen, eine große Kastenform fetten – und nun den Teig noch einmal richtig gut durchkneten. Je besser man knetet, desto feinporiger wird nachher das Brot. Teig in die Kastenform setzen und oben entweder mit Wasser oder etwas Milch bestreichen. Dann kommt das Brot für ungefähr 45 Minuten in den Backofen. Wer es ausgesprochen „knusprig“ mag, stellt noch ein Schälchen Wasser dazu.

Die „Reifeprüfung“ fürs Brot: Mit einem Holzstäbchen hineinstechen. Wenn das Holzstäbchen ohne daran hängende Teigreste wieder rauskommt, ist das Brot durchgebacken.

 

* Es funktioniert hervorragend mit normalen Weizenmehl, aber ich mache es auch gerne mit 350 g Dinkel- und 400 g Weizenmehl. Dann wird’s ein bisschen „kerniger“.

** Wer keine Hefeerfahrung hat: Hier ist wirklich lauwarm gemeint. Die Milch darf nicht kalt sein, aber auch auf keinen Fall wirklich heiß – sonst würde sie die Hefe zerstören.

 

Speckbrot

750 g Mehl*

250 ml Milch

150 g Schwarzwälder Schinken oder anderes Rauchfleisch

1 Würfel Hefe

½ TL Zucker

½ TL Salz

 

Das Mehl in eine Schüssel sieben, in der Mitte eine Mulde formen, die lauwarme** Milch, den Zucker und die zerbröselte Hefe hineingeben und kurz gehen lassen. Anschließend den Teig mitsamt den dem fein gewürfelten Rauchfleisch und dem Salz (gerne auch mit der Maschine) zusammen kneten. Mit etwas Mehl bestäuben und an einer warmen Stelle unter einem sauberen Tuch solange gehen lassen, bis er sich ungefähr verdoppelt hat.

Backofen auf 200° C vorheizen, eine große Kastenform fetten – und nun den Teig noch einmal richtig gut durchkneten. Je besser man knetet, desto feinporiger wird nachher das Brot. Teig in die Kastenform setzen und oben entweder mit Wasser oder etwas Milch bestreichen. Dann kommt das Brot für ungefähr 45 Minuten in den Backofen.

 

Varianten dazu: Kräuterbrot – man ersetzt Speck beziehungsweise Zwiebel einfach durch die entsprechenden Kräuter. Außerdem kann man das ganze natürlich auch mit Körnern machen. Und wer’s ganz herzhaft mag, kauft im Reformhaus Sauerteig und verwendet statt Weizenmehl Roggen- und/oder Vollkornmehl.

 

Die Lieblingsrezepte der funny family: Antipasti

14. Januar 2013

Ich liebe Antipasti. Ich könnte mich an gegrillten Auberginen, eingelegten Champignons, Oliven mit Knoblauch und gefüllten Weinblättern doll und voll futtern. Der Haken ist nur: Bei den meisten Griechen (oder Türken) sind mir die Antipasti fast immer zu scharf.. Deswegen bin ich inzwischen dazu übergegangen, Auberginen und Champignons selbst zu machen. Nachkochen ist einfach – und wer’s (im Gegensatz zu mir) scharf mag: Jeweils eine klein gehackte Chili-Schote dazu …

Gegrillte und eingelegte Auberginen:

2 Auberginen (am besten sind übrigens die hell-lilafarbenen, runden. Es gehen aber auch die birnenförmigen)

1 Bund (glatte) Petersilie

1 Stückchen Ingwer (fingerkuppengroß)

Olivenöl

Balsamico (oder, was ich lieber mag, ein Weißwein-Essig)

3 Knoblauchzehen, klein gehackt

Salz

Pfeffer

Auberginen in ungefähr 2 cm dicke Scheiben schneiden, salzen, aufeinandersetzen und ungefähr eine Stunde ziehen lassen (ist wichtig, da geht nämlich das Wasser raus und außerdem verlieren sie ihre Bitterkeit). Anschließend trocken legen und Scheibe für Scheibe in heißem Öl anbraten. Dabei mit Pfeffer aus der Mühle würzen (und eventuell noch einmal salzen – muss man ausprobieren). Anschließend die Auberginenscheiben in ein geeignetes Gefäß schichten, dabei jede Schicht mit gehackter Petersilie, kleingehacktem Knoblauch und einem Hauch Ingwer bestreuen. Wenn alle Auberginenscheiben im Gefäß gestapelt sind, mit etwas gutem Olivenöl und dem Essig auffüllen. Mindestens vier Stunden im Kühlschrank ziehen lassen.

ich hab’s noch nicht ausprobiert, aber angeblich halten sich die eingelegten Auberginen im Kühlschrank eine Woche. Bei mir sind sie immer schon nach zwei, drei Tagen weg.😉

Eingelegte Champignons

500 g möglichst kleine Champignons (ich mag am liebsten die mit den braunen Köpfen – die haben mehr Aroma als die weißen)

3 Knoblauchzehen

1 kleines Stückchen Ingwer

1 Bund (glatte) Petersilie

Pfeffer, Salz

Olivenöl

Weißweinessig

Die Champignons putzen, größere zerlegen, den Knoblauch und den Ingwer sehr fein hacken, die Petersilie fein wiegen. Champignons, Knoblauch und Ingwer in der Pfanne anbraten, dabei mit Salz und Pfeffer aus der Mühle würzen. Wenn die Champignons weich sind, mit dem Essig ablöschen und in ein geeignetes Gefäß umfüllen. Mindestens vier Stunden im Kühlschrank ziehen lassen.

Hält sich angeblich auch eine Woche, wird bei mir aber auch nie so alt.😉

Das alte und das neue Jahr

31. Dezember 2012

Eigentlich sollte man ja von jemanden, der von berufswegen schreibt, erwarten können, dass er regelmäßig seinen Blog befüllt bekommt. Aber bei mir haut das nicht so wirklich hin. Mein Problem ist, dass das, was in meinem Leben (vielleicht) erzählenswert wäre, mir meist zu privat erscheint, als dass ich es in meinem Blog veröffentlichen möchte. Was bleibt dann noch? Meine Ansichten zu bestimmten Themen? Ich neige zum Lästern und zum Meckern – und ob das auf Dauer unterhaltsam ist, weiß ich auch nicht. Und so gammelt mein Blog dann eben dahin.

 

Aber für 2013 habe ich mir vorgenommen, wieder mehr zu schreiben – und vielleicht finde ich ja doch mal einen Weg, einigermaßen unterhaltsam zu sein, ohne das zu private auszuplaudern? Wenn es mir außerdem gelingen sollte, 2013 wieder ein bisschen fröhlicher zu werden, dann wäre es ein gutes Jahr.

 

2012 war ganz sicher nicht mein bestes. Der Tod meines Vaters war ein Einschnitt und obwohl er mir eine neue „Freiheit“ beschert hat, so kam damit doch auch ein neues Gefühl der Einsamkeit. Seit mein Vater nicht mehr da ist, braucht mich niemand mehr. Sicher, da sind immer noch Menschen, die mich lieb haben, aber brauchen? Nein. Der Professor war – und das habe ich immer geschätzt und das möchte ich auch gar nicht anders – schon immer ein ausgesprochen unabhängiger Mensch. Ich weiß nicht, ob er schon einmal einen Menschen „gebraucht“ hat, ob er es sich selbst zugestehen würde, sich derartig von einem „abhängig“ zu machen. Es ist nicht seine Art und vielleicht ist das etwas von dem, was ihn faszinierend macht. Aber manchmal macht es das Leben mit ihm auch mühsam. Man muss ihn immer wieder neu „erobern“, man muss immer wieder neu „interessant“ für ihn sein – so empfinde ich es manchmal und wünschte mir dann, dass ich mir seine Aufmerksamkeit nicht immer wieder „verdienen“ müsste. Aber vielleicht bin ich da ungerecht.

 

Davon abgesehen war es aber schon das Jahr der Einsamkeit und der Verluste. Meine Eltern – und ja, mir ist in diesem Jahr mehr als einmal sehr schmerzlich bewusst geworden, wie sehr mir meine Mutter fehlt – und dazu zwei Freunde. Die eine war relativ „neu“ in meinem Leben, aber ich hatte sie sehr lieb und ich hatte das Gefühl, ihr sehr nahe zu sein – bis ich merkte, dass sie nicht das war, was sie vorgegeben hatte zu sein und dass unsere Freundschaft auf ihren Lügen basierte. Dabei hat sie eine erstaunliche Empathie bewiesen. Sie hat mir jemanden vorgespielt, der einen nicht zu kleinen Teil meiner Träume erfüllt hatte und mit dem zusammen ich ein paar andere erfüllen könnte. Mit ihr zu träumen hat wohl getan – so wohl, dass ich es jetzt immer noch vermisse und dass ich mir manchmal wünschte, ich könnte noch einmal ein wenig in dem Luftschloss leben, das sie für mich aufgebaut hat. Stattdessen habe ich gerade eine dicke Anwaltsrechnung dafür bezahlt, dass dieser mein Anwalt den wahrscheinlich vergeblichen Versuch unternimmt, von dieser Ex-Freundin wenigstens das Geld zurück zu bekommen, um das sie mich betrogen hat.

 

Der andere Verlust wiegt noch schwerer, denn er betrifft die Freundin, die lange meine „beste“ Freundin war. Sie ist weggezogen und bei meinem ersten und einzigen Besuch bei ihr habe ich nur zu deutlich gespürt, dass dieser Auszug in ein anderes Land nicht nur eine räumliche Trennung bewirkt hat. Wir haben uns nicht gestritten, es ist kein böses Wort gefallen, im Gegenteil. Wir versichern uns nach wie vor am Telefon unserer Zuneigung, wir freuen uns immer noch, wenn wir uns sehen und wir sind im Kontakt. Aber dennoch spüre ich: Sie ist nicht mehr so da, wie sie da war – und es nichts, was ich ihr vorwerfen könnte. Sie hat sich entschieden, die Intimität unserer Beziehung der Nähe zu ihrem Mann zu opfern – und das muss ich respektieren, auch wenn es schwer fällt und auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob sie sich damit einen Gefallen getan hat. Aber sie ist ein erwachsener Mensch und sie ist ein Mensch, den ich liebe. Daraus resultiert für mich auch Respekt – und so respektiere ich ihre Entscheidung und hoffe für sie, dass sie damit glücklich wird. Ich glaube es nicht. Ich fürchte, dass sie zu viel aufgegeben hat, dass sie sich zu sehr die Flügel hat beschneiden lassen. Aber solange sie nicht sagt, dass es zu viel war, dass sie wieder anders leben möchte, habe ich da nichts zu melden. Ich weiß ja noch nicht einmal, ob mein Gefühl, dass sie gerade gegen ihre eigentliche Natur lebt, richtig ist oder ob es nur daraus geboren ist, dass mir die Nähe fehlt und dass ich sie wiederhaben möchte.

 

Der Professor, in solchen Dingen sehr viel erfahrener als ich, sagt: „Auch Freundschaften haben ihre Zeit.“ Manchmal sei es eben so, dass die Zeit abgelaufen sei und dass man sich dann wieder auseinander lebt. Dann müsse man auch loslassen können. Doch dazu bin ich noch nicht bereit. Ich behaupte, ich bin’s nicht, weil ich glaube, dass sie mich noch einmal brauchen wird. Aber auch da bin ich nicht sicher und so überwiegt auch hier das Gefühl des Verlassenseins.

 

Und wenn ich auch schon am Jammern bin: Eigentlich ist es mir 2012 gesundheitlich besser gegangen als 2011. Ich habe meine perniziöse Anämie und die Diabetes im Griff, ich bin die Rheumaschübe, die wohl tatsächlich durch den Dopaminagonisten, der gegen mein Restless Legs Syndrome eingesetzt wurde, ausgelöst wurden, wieder los. Es geht mir deutlich besser, aber es sind leider immer noch genug Baustellen übrig geblieben und es ist eine neue dazu gekommen, die mich gerade in den letzten Wochen unendlich genervt hat. Auch wenn es eigentlich – verglichen mit den beherrschbaren und beherrschten chronischen Erkrankungen – nur eine Kleinigkeit ist, so ist es eben eine, die nervt, die Schlaf kostet, die mich einschränkt, die mich durch dauernde Schmerzen ermüdet. Ich möchte mal wieder richtig fit sein, nicht mehr und nicht weniger. Aber diesbezüglich habe ich nicht mehr sehr viel Hoffnung. Ich habe wohl zu lange auf Kosten meiner Gesundheit gelebt; ich habe meinen Körper zu oft gezwungen und ignoriert. Nun zahle ich zurück – und damit muss ich mich wohl auch abfinden.

 

Aber es wäre falsch, wenn ich 2012 nur als das Jahr der Verluste, Niederlagen (ach ja: Meine Krimis sind immer noch nicht „verkauft“. Aber dafür hat sich ein Lektor nach einem halben Jahr gemeldet und mir mitgeteilt, dass er meinen Stil zu „eigenwillig“ findet. Ist doch auch was! Ich dachte bisher immer, er sei nicht originell genug) und des Alleinseins beschreiben würde.

 

All dem traurigen gegenüber steht auch die Geschichte vom wieder gefundenen Freund – nicht, dass ich ihn „gesucht“ hätte. Nein, das Leben hat ihn „irgendwie“ wieder in meine Richtung geschickt und wir haben festgestellt, dass das, was einst das Potenzial zur Freundschaft war, immer noch vorhanden ist und dass wir heute damit etwas anfangen können.

 

Er hat mir etwas zurück gegeben, was in den letzten Jahren deutlich zu kurz gekommen war und was mir, ohne dass es mir bewusst gewesen wäre, doch gefehlt hat: Musik. Und damit hat er mein Leben wieder reicher und voller gemacht. Manche schlaflose Nacht verbringe ich jetzt damit, Musik zu hören, mich mit Musik auseinander zu setzen und mich damit reicher zu fühlen. Ich denke sogar darüber nach, selbst wieder Musik zu machen. Fagott ist sicher nicht mehr – dazu hätte ich die Luft nicht mehr. Aber ein bisserl Orgel? Und manchmal, wenn zu Besuch bei diesem Freund, spiele ich sogar wieder Cembalo und wundere mich, wie schnell die Fingerchen doch immer noch sind. Mike, der beste Freund meiner Musiker- und Jugendtage, letztes Jahr gestorben, hätte die Augen verdreht, aber es stimmt immer noch: Tippen ist nicht die schlechteste Übung für Cembalisten. Und neben den schnellen Fingern ist manches zurück gekommen, von dem ich es nicht erwartet hätte. Takthalten, Tempi sauber durchziehen – das, worauf mich Mike einst so gedrillt hat. Es sitzt immer noch. Wahrscheinlich ist es damit, wie mit dem Radfahren: Wenn man es einmal richtig gelernt hat …

 

Was bleibt von 2012? Das Wissen, dass ich immer noch schreiben kann; dass mir immer noch etwas einfällt; die neue, alte Herausforderung Musik. Und natürlich Menschen, an die ich jetzt denke. Die Freundin, die sich mit bewundernswerter Tapferkeit durch eine Scheidung in ein neues, selbstbestimmtes Leben kämpft und der ich so sehr wünsche, dass 2013 vollends ihr Jahr wird – das Jahr, in dem endlich ein Arbeitgeber bemerkt, was sie kann und in dem sie ihre Chance bekommt. Meine Tante und ihr Mann, die 2012 einen Sohn verloren haben und denen ich wünsche, dass die Last, die sie zu tragen haben, 2013 vielleicht ein bisschen leichter wird. Meine Neffen, die beide so erwachsen geworden sind, die beide ihren Weg gefunden haben und denen ich wünsche, dass auch die beiden Mädchen, die sie auf diesem Weg begleiten, die richtigen für sie sind und sie glücklich machen. Ich denke in Dankbarkeit an den jungen Pfarrer, der meinen Vater beerdigt hat und der mir inzwischen fast Freund geworden ist, dem ich viele Anstöße verdanke und der mich auch meines Glaubens wieder bewusster hat werden lassen. Ich denke an den Kollegen, der mich einst, als junger Journalist im ersten Job nach dem Volontariat, fast zur Verzweiflung getrieben hat – er schreibt so ganz anders als ich, die ich damals seine Chefin war. Später war er als Chefredakteur mein Auftraggeber. Inzwischen sind wir Freunde und haben uns für 2013 ein gemeinsames Projekt vorgenommen. Es wäre schön, wenn es klappen würde und ich drücke uns die Daumen.

 

Doch, ich glaube, ich kann 2013 mit Optimismus angehen. Es warten neue Herausforderungen auf mich – und ich bin optimistisch, dass ich sie bestehen werde. Und über allem habe ich heute das Bonhoeffer-Gedicht im Kopf:

Von guten Mächten treu und still umgeben,

behütet und getröstet wunderbar,

so will ich diese Tage mit euch leben

und mit euch gehen in ein neues Jahr.

 

 

Lass warm und still die Kerzen heute flammen,

die Du in unsere Dunkelheit gebracht,

führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen.

Wir wissen es, Dein Licht scheint in der Nacht.

 

Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,

so laß uns hören jenen vollen Klang

der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet

all Deiner Kinder hohen Lobgesang.

 

Von guten Mächten wunderbar geborgen,

erwarten wir getrost, was kommen mag.

Gott ist mit uns am Abend und am Morgen

und ganz gewiß an jedem neuen Tag.

 

Dietrich Bonhoeffer

 

 

No multitasking for me

16. August 2012

Ich sollte mich schämen. Wochenlang kein Eintrag im Blog. So kann das ja nichts werden. Aber andererseits ist es nicht so, dass ich nicht geschrieben hätte. Ganz im Gegenteil: Ich habe gestern mal wieder das Wörtchen „Ende“ getippt – das letzte von ungefähr 125.000 Worten, die zusammen meinen vierten Roman in diesem Jahr ausmachen. Und wie immer, wenn ich einen Roman im Kopf habe, ist da mal wieder ganz wenig Platz für anderes geblieben. Ich habe das „nötigste“ getan – und ich muss mich wohl selbst noch davon überzeugen, dass der Blog eigentlich auch zum „nötigsten“ gehört.

 

Andererseits genieße ich die „Ausschließlichkeit“ beim Schreiben von Romanen. Ich mag es, morgens an den Schreibtisch zu gehen und zu wissen, dass ich heute nichts anderes tun muss als mich mit den selbst erschaffenen Figuren auseinander zu setzen, die Geschichte weiter zu treiben, die Szenen nieder zu schreiben, die ich schon tagelang im Kopf bewegt habe. Die anderen Arbeiten, die ja meist auf einem Termin liegen und getan werden müssen, erscheinen mir dann manchmal wie „Stolpersteine“. Und je mehr Geschichten ich schreibe, desto mehr fallen mir ein, desto mehr habe ich das Gefühl, dass das Erzählen von Geschichten das  „eigentliche“ für mich ist. Davon leben zu können! Nichts anderes mehr tun zu müssen – das wäre es für mich. Aber wer kann heute schon als Autor überleben? Ein paar Auserkorene haben Glück und landen Bestseller. Ich gönne es ihnen, aber je länger ich in der Branche unterwegs bin, desto überzeugter bin ich davon, dass Verkaufszahlen nichts mit dem „Können“ des Autors zu tun haben, sondern tatsächlich etwas mit Glück – dem Glück, einen Verlag zu finden, der wirklich etwas für seine Autoren tut (ist mir bisher noch nie gelungen), dem Glück, gerade einen Trend erwischt zu haben, der läuft. Ansonsten versinkt so mancher großartige Roman in der Versenkung, weil der Autor eben kein Glück gehabt; dafür wird so manches hochgejubelt, das von „großartig“ sehr weit weg ist.

 

Allerdings habe ich manchmal das Gefühl, dass ich für die Bestseller-Produktion zu spießig bin. „Feuchtgebiete“ wollte ich noch nicht mal lesen (ich habe mich trotzdem durch einige Seiten hindurch gequält – man sollte ja wenigstens wissen, wovon die Rede ist) – schreiben wollte ich so etwas noch viel weniger. So sorry, aber für mich gibt’s einen guten Grund, den A…. (und die umliegenden Gebiete) in der Hose zu lassen. Ich glaube zwar nicht, dass gute Literatur „erbauen“ sollte und ich habe schon lange begriffen, dass Kunst nicht „schön“ sein muss, um Kunst zu sein, aber warum man Schamhaare en detail beschreiben muss, entzieht sich mir und aus dem Alter für Doktorspielchen bin ich auch schon sehr lange raus. Dazu kommt im speziellen Fall, dass mich die „Feuchtgebiete“ schon nach der 10. Seite gelangweilt haben – und was das angeht, bin ich ausnahmsweise mal mit Marcel Reich-Ranicki einig: Kein Autor hat das Recht, mich zu langweilen (das Problem mit Reich-Ranicki und mir ist nur, dass wir sehr unterschiedliche Vorstellungen von dem haben, was nicht langweilt).

 

Dieses Jahr nun haben wir’s mit der Unterwerfung. „Shades of Grey“ ist der Renner und jeder, der „in“ sein will (habe ich schon lange aufgegeben), hat’s gelesen. Das neue Partythema sind Fesselspielchen und Auspeitschen und da springt nun wohl so manche auf den Submissions-Zug, die früher meinte, artistische Verrenkungen im Schlafzimmer würden eine gute Geliebte ausmachen. Ich dagegen fühle mich wie der Prinz Orlofski in der „Fledermaus“. Ich finde den ganzen S/M Kram schon lange laaaaaangweilig. Mir fällt darauf nämlich immer jener Herr ein, der mir vor Urzeiten mal beim Usertreffen eines Mailbox-Netzes dadurch auffiel, dass er in seinem Strickjäckchen mit Zopfmuster und dem Gabardine-Stehhöschen (Stehhöschen, weil es so kurz war,  dass er immer, wenn er sich setzte, mindestens drei Zentimeter weiße Stachelbeerwade über rostbraunen Nylonsocken zeigte) aussah wie das übelste Klischee eines Spießers. Am späteren Abend offenbarte er dann aber, dass er Vorsitzender eines Flagellanten-Vereins ist – und erklärte dann sehr ausführlich und ernsthaft, wieso der Verein zwar „e.V.“ war (wie es sich in Deutschland gehört), aber nicht gemeinnützig (da müsste man nämlich die Mitgliederliste veröffentlichen, was man aber um der Diskretion willen nicht wollte). Immerhin habe ich der Bekanntschaft aber zu verdanken, dass er mir eines Tages per Mail die Einladung zum Jahresausflug seines Vereins zukommen ließ. Beim Lesen derselben ist mir dann allerdings die Kinnlade auf den Schreibtisch gedotzt, denn die Vorstellung, dass man sich nach dem gemeinsamen Besuch im Sexshop dann im Amsterdamer Hotel zu „Kaffee und Kuchen“ treffe, hat bei mir die wildesten Phantasien hervorgerufen. Ich stellte mir vor, wie die weiblichen Angehörigen des Flagellanten-Vereins die Tupperdosen (gibt’s eigentlich auch schwarze für solche Anlässe?) mit dem Kuchen anschleppen, während die männlichen Mitglieder sich gegenseitig die Peitschen zeigen, die sie kurz davor im Sex-Shop erstanden haben und sich wahrscheinlich dabei über das beste Lederpflegemittel (als Reiterin rate ich übrigens von Lederöl ab. Das weicht so auf!) unterhalten. Und in dem Zusammenhang ist dann auch sofort wieder jene Internet-Userin präsent, die auf einem bekannten Verbraucher-Portal ihre S/M-Neigungen offenbarte und es schaffte, die mit Hausfrauentipps kombinierte. So habe ich zum Beispiel gelernt, dass  man bei Anschaffung von Bettfesseln darauf achten sollte, dass die nicht in die Matratze einschneiden und dass man Lacklederlaken nach Gebrauch mit Spüli reinigt.

 

Manchmal überlege ich mir, ob ich nicht auch mal einen echten Tabubruch schreiben sollte. Ich könnte mich zum Beispiel darüber auslassen, wie befreiend und orgiastisch ich das Gefühl finde, endlich einen Popel in der Nase loszuwerden. Das in minutiösen Details und epischer Breite auf 250 Seiten ausgewalzt – damit komme ich dann zwar nicht auf die Bestsellerliste, aber vielleicht in den literarischen Olymp? Das Problem wäre nur, dass ich mich da wahrscheinlich beim Schreiben langweilen würde.

 

Ich glaube, ich schreibe doch lieber noch einen Krimi. Aber ich verspreche, dass ich dazwischen auch hin und wieder mal ans Blog denke!

 

 

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