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Das starke Geschlecht?

15. Dezember 2011

Ich habe nix gegen Männer. Und nein, hier kommt nicht gleich der übliche, blöde Spruch „Jedenfalls nix, was hilft“. Ich habe nämlich wirklich nichts gegen Männer – ganz im Gegenteil. Ich kenne einige richtige Prachtexemplare, angefangen von meinem Professor über meine tollen Neffen, den Riesensohn, den langen Enkel bis zu meinen Freunden. Und so sehr ich meine Freundinnen schätze – ein Nonnenkloster wäre ganz sicher kein geeigneter Aufenthaltsort für mich. In reinen Weiberrunden wird mir nämlich zu viel gezickt.

Aber manchmal habe ich schon das Gefühl, dass die männlichen Exemplare der Spezies homo sapiens nicht so unbedingt „zukunftssicher“ sind. Nach ein paar Tausend Jahren, in denen das Patriarchat nicht in Frage gestellt wurde, müssen sie zumindest in der westlichen Welt jetzt damit leben, dass aus dem Besitz eines Penis noch kein garantierter Anspruch auf großes Verwöhnprogramm mit Socken waschen, Hemden bügeln, Vollpension und Bewunderung resultiert. Sie müssen sich auch zunehmend darauf einstellen, dass sie im Job mit Frauen zu tun bekommen – und gar mancher Mann ist inzwischen sogar davon bedroht, dass er – welche Ungeheuerlichkeit – eines Tages sogar eine Frau als Vorgesetzte haben könnte!

Als Frau ist es für mich wirklich schwer nachzuvollziehen, warum die Jungs offenkundig derartig Probleme mit der Gleichberechtigung haben. Oder etwa nicht? Der Professor würde an der Stelle sicher empört darauf verweisen, dass er keines hat. Er findet es zum Beispiel klasse, eine berufstätige Frau zu haben – dann hat er sie nämlich nicht dauernd in den Haaren. Und selbstverständlich traut er Frauen viel zu. Nur Auto fahren kann er besser (er fährt auf jeden Fall schneller als ich). Und natürlich sind wir Frauen in Sachen „Technik“ den Männern unterlegen (ich habe einen Abschluss als Datenverarbeitungs-Kauffrau. Er weiß inzwischen, dass dieses komische Teil, das man am PC vorne ausfahren kann, nicht der Halter für den Teebecher ist).

Außerdem hat mir mein Mann gesagt (das ist eine Formulierung, die ich sehr liebe – vor allem, wenn ich eigentlich die Meinung der entsprechenden Dame hören will), dass seine und die ihm nachfolgenden Männergenerationen die Emanzipation doch gut weggesteckt haben.

Eindeutig. Ich habe zum Beispiel heute Morgen auf SPON gelesen, dass Familienväter durchschnittlich länger im Büro sind als unverheiratete Männer (http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,803790,00.html). Demselben Artikel entnehme ich, dass Männer immer noch nicht so gerne Familienpause machen, weil sie um ihre Karrierechancen fürchten. Und die Begründung dafür, warum die Jungs nicht zuhause bei Weib und Kind sind, sondern im Büro rumhängen? „Wenn Mütter nach der Geburt eines Kindes ihre Erwerbstätigkeit reduzieren, dann fangen viele Väter das fehlende Einkommen mit längerer Arbeitszeit auf.“ So ein Politikwissenschaftler, der das Phänomen untersucht hat.

So weit, so nachvollziehbar. Aber: „Die klassische Rollenteilung verfestige sich dann mit der Zeit, deutet Politikwissenschaftler Bujard die Daten weiter: Männer gewöhnten sich daran, mehr Zeit im Büro zu verbringen, und Frauen gewöhnten sich daran, sich allein um die Kinder zu kümmern.“ So viel zum Thema „Emanzipation“ und wie die Männer damit klar kommen, nicht? Und wer von uns hat’s nicht schon im Umfeld erlebt, dass Paare, die gleichberechtigt angefangen und ihren Zweipersonenhaushalt gemeinsam gestemmt haben, wunderhübsch auf der „Mama bleibt zuhause, Papa geht in den Job, Mama verwöhnt Papa, der hängt abends auf dem Sofa und ist müde vom Job“- Schiene fahren, wenn sie sich Kinder anschaffen?

Aber es geht ja noch weiter: Wird in Deutschland auch nur irgendwo erwähnt, dass man Frauen fördern sollte, setzt sofort das große Heulen und Zähneklappern ein. So und so viele Männer verweisen dann darauf, dass Frauen doch eh schon „bevorzugt“ behandelt würden! Und dass in Deutschland der Anteil an Frauen in leitenden Positionen immer noch so unterdurchschnittlich ist, liegt nicht etwa daran, dass Frauen beim Aufstieg ausgebremst werden, sondern dass sie gar nicht wirklich Karriere machen wollen! Dass sie vielleicht nur keine Lust darauf haben, ihre Zeit und Energie mit Machtkämpfen und den Streit um Statussymbole zu verbringen; dass sie lieber effizient arbeiten als durch ständige Präsenz im Büro ihr Engagement zu beweisen – pures Vorurteil. Außerdem ist die Welt nun mal so wie sie Männer gemacht haben – und da haben wir Frauen uns eben anzupassen! Und solange wir das nicht geschafft haben, ist es wahrscheinlich nur fair, dass wir selbst da, wo wir dieselben Jobs wie Männer machen, weniger verdienen.

Was das angeht, erinnere ich mich an meine Zeit in der Werbung. Ich habe damals in einer Werbeagentur gearbeitet, in der es zwei Teams gab. Jedes hatte einen Teamleiter, einen Texter und einen Assi. Eine hatte obendrauf noch eine Sekretärin – aber nicht etwa, weil sie mehr als die andere zu tun gehabt oder größere Etats gestemmt hätte! Nein, die Sekretärin gab’s da, weil der Assistent ein Mann war. Und dem konnte man selbstverständlich nicht zumuten, Berichte zu tippen, Reisen zu organisieren und Kaffee zu kochen. In der anderen Gruppe dagegen war ich Assistentin und Sekretärin in einer Person. Und mehr noch: Ich habe auch mindestens die Hälfte der Texte geschrieben, die da anfielen – ein Job, den mein Kollege in der anderen Gruppe nicht hätte machen können, weil er Franzose war und sein Deutsch dafür dann doch nicht ausgereicht hätte. Ich war also höher qualifiziert, habe mehr gemacht – und habe trotzdem deutlich weniger verdient.

Ich kenne wenig Frauen, die nicht mit solchen Erfahrungen aufwarten können. Aber dennoch sollen wir neuerdings Jungs schon in der Schule fördern – da haben die armen Kerlchen nämlich ein Problem damit, dass sie in der Grundschule fast nur auf weibliches Lehrpersonal treffen (vielleicht, weil die Männer keine Lust haben, sich für relativ wenig Geld mit anderer Leute Gören rumzuärgern?). Und im Gymnasium kriegen sie dann zwar männliche Leitbilder, werden aber mittlerweile dauernd von den Mädchen übertroffen, was ganz schlecht für ihr Selbstbewusstsein ist. An der Uni turnen ihnen die Mädels auch noch was vor. Unter den Umständen müssten wir dann doch eigentlich aufhören, nach Gleichberechtigung im Job zu schreien, nicht? Stattdessen sollten wir uns aus Rücksicht auf die armen, armen Männer schön bescheiden und ihnen den Kaffee kochen (was, wie wir in der oben erwähnten Werbeagentur einmal mitgeteilt ist, für einen Mann nicht zumutbar ist!).

Ich finde, die Kerle könnten sich jetzt mal am Straps reißen, mit dem dauernden Gejammer aufhören und sich stattdessen darauf einstellen, dass sie mit starken Frauen zu tun haben. Und wenn sie dann noch ein bisserl weiterdenken und die Vorteile daran entdecken, dann haben wir vielleicht eine Chance, dass aus der angestrebten Gleichberechtigung nicht eines Tages ein Matriarchat bei Unterdrückung des Mannes wird – weil es uns Frauen zu blöd geworden ist, dauernd auf Jammerlappen Rücksicht zu nehmen!

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5 Kommentare leave one →
  1. Hellebora permalink
    16. Dezember 2011 07:34

    Ich kenn beide Seiten, als Hausfrau und Mutter und als Alleinverdiener einer vierköpfigen Familie, und ich kann nur eins sagen. Der Hausfrauenmutterjob ist der anstrengendere, dagegen ist jede Lohnarbeit ein Urlaub.

    • 16. Dezember 2011 10:41

      Sehe ich absolut ebenso. Ich würde lieber noch einmal die Chefredaktion eines Blattes stemmen oder einen Stall mit 30 Pferden managen als Hausfrau und Mutter zu sein. 😉

  2. Caine permalink
    16. Dezember 2011 10:29

    Frauen sind besser in der Schule und an der Uni, weil sie’s den Lehrern recht machen wollen; weil sie besser darin sind, das zu machen, was verlangt wird. Darauf kommt’s aber nicht an, wenn man Karriere machen will. Solange man das nicht kapiert, wird man im Job nicht weiterkommen als Frau.

    • 16. Dezember 2011 10:51

      Hmmm … worauf kommt es denn Deiner Ansicht nach an, wenn man Karriere machen will?

      Meine Erfahrung in großen Unternehmen war leider, dass „oben“ vor allem Machtspielchen gefragt waren und dass die Herren Manager unglaublich viel Zeit damit verbrachten, sich gegenseitig Beinchen zu stellen, zu tricksen, zu intrigieren und sich das Leben schwer zu machen. Die Spielchen, die da gespielt wurden, hätte ich nicht mitspielen wollen – und als ich dann mal als stellv. Chefredakteurin bei einem Chef landete, der gute 70 % seiner Zeit mit ebensolchen Spielchen verschwendete, habe ich nach neun Monaten gekündigt, weil mir das zu blöd war.

      So gesehen, habe ich wohl auch was nicht „kapiert“ …

      • Caine permalink
        16. Dezember 2011 12:43

        1.gleich auf der richtigen Ebene einsteigen. Von unten hocharbeiten hat noch nie funktioniert. Wer Karriere machen will, sollte in einem Trainieeprogramm anfangen oder als Assistent des Vorstands. Oder erstmal für 2-3 Jahre zu einer renommierten Unternehmensberatung gehen.
        2. Es kommt nicht darauf an, was man macht, sondern wen man kennt. Kontakte knüpfen, die richtigen Seilschaften bilden, dann klappt’s auch mich dem Aufstieg.
        3. Man muss zwar nicht unbedingt viel tun, aber unbedingt viel Wind machen.

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