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Ich liebe es!

20. Dezember 2011

Ich koche gerne. Und ich schaue gerne Kochsendungen. Ich bin dabei, wenn bei Lanz gekocht wird, ich fiebere mit den Kandidaten der „Küchenschlacht“, ich lasse mir nur zu gerne von Tim Mälzer erklären, wie man Buletten brät und ertrage sogar Horst Lichter, wenn mir Johann Lafer dafür in seinem charmanten Österreichisch erklärt, wie man Butter klärt. In meinem Bücherregal stapeln sich die Kochbücher – und dennoch werde ich nicht weinen, falls mir jemand zu Weihnachten noch eines (oder gar zwei?) schenkt. Ich kaufe auch gerne Kochzeitschriften, wobei ich zugeben muss: Die, deren Rezepte ich am meisten nachkoche, ist die gute, alte „Meine Familie und ich“.

Bei fast allen Fernsehköchen nervt mich nämlich eines: Dass es immer vom feinsten sein muss! Lea Linster begnügt sich bei ihrem „Lachstartar“ nicht damit, dass sie den teuersten Lachs verlangt, sondern muss ihn zudem mit Nordseekrabben, Austern und Kaviar garnieren – äh, Verzeihung, aber hat jemand einen mittelgroßen Geldscheißer übrig? Ich würde auch einen gebrauchten nehmen. Aber wenn ich das Weihnachtsmenü nachkochen wollte, dass mir bei „Lanz kocht“ neulich geboten wurde, bräuchte ich den. Da gab’s dann nämlich außer Lea Linsters Lachstartar mit drei Garnituren auch noch Seeteufel, Zanderfilet und Ente. Und jeder der Köche, angefangen von Frau Linster, die kundtat, dass man Lachs natürlich nur frisch beim Spezialfischhändler (der, der den Kram jeden Morgen aus Paris einfliegen lässt) kaufen kann über Herrn Alfons Schuhbeck, der die Butter, in der er seinen Zander anbrät, wahrscheinlich von einem reitenden Boten aus Frankreich bringen lässt bis hin zu Kolja Kleeberg, der zur handaufgezogenen Ente rät (ich werde mal beim Nachbarbauern anfragen, ob er eine mit genau 85 überwachten Flugstunden hat) erzählt mir, dass man nur mit „guten“ Zutaten richtig kochen kann.

Außerdem predigen die Herrschaften natürlich, dass man am besten alles selbst macht. Man braucht Gemüsebrühe für irgendwas? Tja, in dem Fall kauft man (natürlich Bio) Lauch, Karotten, Sellerie und Kräuter und kocht sich das Brühchen. Von wegen und „Potti“ oder gar irgendwas von Knorr! Wer wirklich anspruchsvoll und lecker Kochen will, macht selbst – sagen die Damen und Herren Fernsehköche.

Weil aber der Geldscheißer bei mir immer noch nicht eingetroffen ist, muss ich hin und wieder mal bei  Lidl einkaufen. Dabei überfällt mich aber immer schon am Eingang das schlechte Gewissen. Da steht nämlich lebensgroß Kolja Kleeberg mit seiner Kochschürze – und bei seinem Anblick denke ich dann immer: „Schei …benkleister! Ich sollte doch Bioprodukte kaufen und das Wild direkt vom Jäger und das normale Fleisch natürlich nur beim Metzger und mein Brot beim Bäcker und das Gemüse auf dem Markt! Und jetzt schluffe ich schon wieder beim Lidl rein, werde gleich nicht-Bio-Gemüse in meinen Wagen laden, Brötchen aus dem Automaten ziehen und den fertigen Pizza-Teig aus der Gefriertruhe. Und das alles unter Kolja Kleebergs Augen!“

Aber dann beruhige ich mich wieder. Der Lidl-Kleeberg ist nämlich ein Pappkamerad – und der empfiehlt mir zum Beispiel für seine Weihnachtsgans als Füllung:

100 g Grafschafter Buttertoast

50 g Milbona Deutsche Markenbutter

100 ml Milbona Frischmilch

ChanteSel Jodsalz

Kania Schwarzer Pfeffer aus der Mühle

(http://www.lidl.com/de/rezepte.nsf/pages/Content.r.overview.koljakleeberg.Gansbraten_mit_Maronen_und_gezupftem_Rotkohl_)

Lauter Lidl-Produkte! Also, wenn er mit Lidl-Portwein (ist auch im Rezept) kochen kann, darf ich es auch, oder?

Und auch in meinem Edeka werde ich diesbezüglich erfreut: Am Kopf des Regals, in dem man zum Beispiel Rotkohl im Tütchen und Sauerkraut in der Dose findet (geht gar nicht – würde Herr Schuhbeck wahrscheinlich sagen), könnte ich diverse Fonds und Gewürze von Jamie Oliver erstehen. Und am nächsten Regal kommt dann die Schuhbeck Kollektion mit Gewürzen, Fonds und anderen Convenience Produkten. Wie war das mit „gute Küche, alles frisch zubereitet“?

Johann Lafer predigt das auch gerne – und hat dafür in seinem Regal jede Menge Fonds und Konfitüren. Tja …

Warum fällt mir jetzt der Spruch vom „Wasser predigen und Wein trinken“ ein? Bei unseren Spitzenköchen scheint es allerdings andersrum zu sein: Sie predigen uns Wein – und bewerben Wasser. Dabei muss es noch nicht mal Luxuswasser sein  – oder wie soll ich es verstehen, dass Alfons Schuhbeck, der Prophet des superfrischen Bio-Gemüses und der oh-so-gesunden Kräuter mich neuerdings bei McDonalds angrinst? „Hüttengaudiburger“ heißt das von ihm kreierte Produkt – ein Weizenbrötchen mit Haferflocken, Hähnchenfleisch, Emmentaler und Apfel-Ingwer-Sauce.

Ich glaube, ich bestelle mir jetzt eine Pizza bei Joey’s. Die haben zwar noch keinen Spitzenkoch, der behauptet, das Rezept creiert zu haben, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Und bis dahin lasse ich es mir immerhin schon mal schmecken!

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