Skip to content

Das schwäbische Nationalgericht: Linsen mit Spätzle und Saitenwürstle

21. März 2012

Ich hatte lieben Besuch aus der Mitte Deutschlands und dieweil die Freundin genauso gerne gut isst wie ich, waren wir im Mekka aller Stuttgarter Feinschmecker: Der Markthalle.

http://www.markthalle-stuttgart.de/

Nachdem wir uns mit den tollsten Salaten (schon mal Portulak probiert? Schmeckt nußig mit etwas Schärfe dahinter, aber doch milder als Kresse, dabei von der Konsistenz her sehr angenehm – und lässt sich wunderbar mir Ruccola und Feldsalat mischen. Und in der Markthalle gibt’s nicht nur Postulak, sondern auch noch roten Feldsalat) eingedeckt hatten, entdeckten wir einen Stand, an dem es neben Lamm von der Schwäbischen Alb auch „Alb-Leisa“ – Linsen, die auf der Schwäbischen Alb angebaut werden – gab.

Linsen haben auf der Schwäbischen Alb eine lange Geschichte. Die kargen Böden dort gaben nicht viel her, aber Linsen gediehen hervorragend und so war die Alb bis in die 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts ein großes Linsenanbaugebiet. Weil die Ernte aber recht aufwendig ist und dann immer mehr Billiglinsen aus dem Ausland nach Deutschland kamen, starben die Alblinsen fast aus.

1985 beschlossen dann Bio-Bauern auf der Alb, wieder Linsen anzubauen. Weil sie aber die alten Sorten nicht mehr auftreiben konnten, setzten sie auf eine kleine, grüne französische Sorte. Die gedeiht nun im Biosphärengebiet Schwäbische Alb sehr gut – und wer mehr darüber wissen will: http://www.alb-leisa.de . Und online kaufen kann man sie in Bio-Qualität hier: http://shop.rose-biomanufaktur.com/product_info.php?products_id=41

Wir Schwaben hoffen übrigens drauf, dass es in einigen Jahren wieder „richtige“ Alblinsen geben wird. 2006 hat man nämlich in der Wawilow-Gendatenbank in St. Petersburg zwei der alten Sorten entdeckt. Davon gab’s aber nur noch je ein paar hundert Exemplare. Doch die werden nun auf der Schwäbischen Alb vermehrt  – und irgendwann gibt’s dann wohl wieder „richtige“ Alblinsen.

Zu den Alblinsen gehört natürlich auch ein Rezept für das schwäbische Nationalgericht Linsen mit Spätzle und Saitenwürstle. Dabei kann man natürlich die Alblinsen durch jede andere Linsensorte ersetzen. Und das, was bei uns „Saitenwürstle“ heißt, kann man in nördlicheren Gefilden als „Wiener“ oder „Frankfurter Würstchen“ kaufen.

Linsen mit Spätzle und Saitenwürstle

(für vier Personen)

500 g Linsen

150 g durchwachsener Bauchspeck, geräuchert und in kleine Würfel geschnitten

1 große Zwiebel

Gemüse- oder Fleischbrühepulver

1 – 2 Lorbeerblätter

3 – 4 Wacholderbeeren

1 EL Mehl

100 ml Rotwein

Ein Schuss Essig

Salz, Pfeffer

Fertige Spätzle

4 Paar Saitenwürstle

Linsen über Nacht einweichen. Einweichwasser nicht wegkippen, sondern am nächsten Tag mit der Gemüse- beziehungsweise Fleischbrühe, den Lorbeerblättern und den Wacholderbeeren (vor Einsatz im Mörser zerdrücken! Solange die Dinger „unversehrt“ sind, geben sie nämlich keinen Geschmack ab) aufsetzen und kochen lassen.

Zwiebel schälen, fein würfeln. Nun den Bauchspeck in einer geräumigen Pfanne (wir Schwaben nehmen in so einem Fall die „Kachel“ – einen flachen Kochtopf, in dem man anbraten kann) auslassen, Zwiebeln dazu und anschwitzen lassen. Dann das Mehl dazu und den ganzen Pampf gut anrösten. Der darf richtig Farbe nehmen.

Mit dem Wein ablöschen, kurz aufkochen lassen, dann die Linsen samt Brühe dazu kippen (dabei kann man dann das Lorbeerblatt und die Wacholderbeeren wieder rausfischen). Mit Salz, Pfeffer und Essig nach Geschmack würzen. Die Saitenwürstle mit warm machen, gleichzeitig separat die Spätzle erhitzen.

Voila – das war’s. Und falls die Linsen zu dick werden: Mit Brühe oder noch mehr Rotwein aufgießen.

PS: Mein Lieblingsstand in der Stuttgarter Markthalle ist übrigens der Schwyzer Stand, an dem’s die tollsten Gewürze aus aller Herren Länder in sehr guter Qualität gibt. Der Stand, den ich immer umgehe, ist der von Hochland – und das nicht, weil ich Hochland-Kaffee und Pralinen nicht mögen würde. Ganz im Gegenteil! Aber das Hauptgeschäft von Hochland ist nur ein paar Schritte von der Markthalle entfernt in der Kirchstraße. Und wenn mir nach einem Kaffee-Großeinkauf ist, fahre ich nach Degerloch in die Chemnitzer Straße. Da ist nämlich die Rösterei und da riecht’s nicht nur wunderbar nach frisch geröstetem Kaffee, sondern man bekommt ihn auch so frisch wie sonst nirgends. Und übrigens: Hochland-Kaffee gibt’s auch online:  http://www.hochland-kaffee.de  – und nein, ich kriege leider keine Prozente.

Advertisements
One Comment leave one →
  1. 2. April 2012 18:21

    Netter Post. Sicher kein Fehler, sich damit intensiver zu befassen. Werde gewiss auch weitere Posts im Auge behalten.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: