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Die Lieblingsrezepte der funny family: Chili con carne

3. Juni 2012

Wenn der Sommer kommt, verwandelt sich mein sonst immer so geschleckter Professor in eine Wühlmaus im Overall: Er geht mit Pinselchen, Schäufelchen und seinen liebsten Studenten Schlachtfelder ausbuddeln. Weil die aber nicht direkt vor unserer Haustür liegen, wird dabei campiert und umschichtig gekocht. Wenn’s mich trifft, gibt es fast immer Chili con Carne. Das ist überhaupt meine ultima ratio, wenn ich „Massenverpflegung“ für Studiosi herzustellen habe. Geht relativ rasch, ist nicht sonderlich aufwändig, macht satt und schmeckt.

Außerdem hat es noch einen Vorteil: Englische Jungmänner können damit ihren „Wer hat den Längsten“-Wettbewerb austragen, ohne dass es für die anwesenden Mädchen peinlich wird und dass die Polizei wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses (ich habe eben den Professor gefragt, wie das in Englisch heißt. Er weiß es nicht, was beweist, dass er schon als Jüngling sehr manierlich gewesen sein muss. Oder clever genug, nie erwischt zu werden) und Beschmutzung öffentlicher Flächen tätig werden muss. Das Mittel dazu ist Tabasco-Sauce oder alles, was sonst scharf macht. Offenkundig meinen die englischen Jungs, dass es einen Zusammenhang zwischen der Größe ihresr Nase und dem Schärfegrad ihres Essens gibt. Je schärfer das Futter, desto toller der Kerl. Dementsprechend bestellen sie beim Inder ihr Curry extrascharf, ordern bei ihrem Burgerstand eine ganze Chili obendrauf und kippen Tabasco ins Chili con Carne, bis ganz sicher ist, dass sie außer „scharf“ garantiert keinen anderen Geschmack mehr wahrnehmen. Dabei ist mein Chili con carne auch mild essbar – finde ich jedenfalls, die scharf gar nicht mag und es darum in einer Version für Weicheier wie mich kocht.

Und jetzt rechne ich Zutaten auf normale Verhältnisse – nämlich vier Personen – runter. Mein Rekord steht übrigens auf einer Portion, die mit zwei Kilo Hackfleisch und zwei von diesen überdimensionalen Bohnendosen von der Metro in einer Gulaschkanone broddelte.

 
Chili con Carne mit Scharf-Option


500 g gemischtes Hackfleisch
1 große oder 2 kleine Zwiebeln
1/2 Stange Lauch
5 -6 Stängel glatte Petersilie
3 Knoblauchzehen
1 roter Paprika
1 große Dose gestückelte Tomaten
500 g weiße Bohnen (oder eine große Dose weiße Bohnen, wenn’s schnell gehen soll. Man kann natürlich auch mischen: 1 Dose weiße, eine Dose rote Kidney-Bohnen)
1 EL Mehl
2-3 EL Sonnenblumenöl oder Butterschmalz zum Anbraten
300 ml Gemüse- oder Fleischbrühe
1 Schuss Sojasauce
1 Zweig Rosmarin (so man hat. Wenn nicht, tut’s auch gemahlener Rosmarin)
Salz*, Pfeffer, mildes Paprikapulver, Zucker
1 Schuss Metaxa (oder Cognac)
Am Abend vorher werden die weißen Bohnen eingeweicht. Das Einweichwasser bitte nicht weggießen – das kommt nachher mit in die Soße. Wenn Sie aber lieber Dosenbohnen verwenden: Ich wasche die ab, weil ich den Glibber aus der Dose nicht mag. Dann braucht’s üblicherweise noch etwas Wasser.

Jetzt geht’s mit der Kocherei los: Zwiebeln schälen, Lauch putzen, in feine Stücke schneiden. Petersilie klein hacken, Knoblauchzehen schälen und in feinste Stücke schneiden**. Paprika vom Strunk und Kernhaus befreien, die weißen Teile innen entfernen***, in Streifen schneiden.

In einem großen Topf mit flachem Boden das Öl (oder Butterschmalz) heiß werden lassen, dann das Hackfleisch und den Rosmarinzweig dazu und das Hackfleisch krümelig braten. Anschließend Zwiebel, Lauch, Paprika, Knoblauch und Petersilie dazu und brutzeln lassen, bis die Zwiebel glasig werden. Mit dem Mehl bestäuben, das kraus werden lassen, dann mit der Gemüsebrühe ablöschen. Jetzt kommen die Bohnen, Tomaten und der Metaxa dazu. Einmal aufkochen lassen****, dann auf kleiner Flamme ungefähr eine Viertelstunde broddeln lassen. Dabei kann man den in aller Ruhe würzen: Salz, Pfeffer (am besten natürlich aus der Mühle), Paprikapulver, die unvermeidliche Prise Zucker, die’s zum Abrunden braucht und ein Schuss Sojasauce, der das Ganze schön verbindet.

Serviert wird’s mit frischem Baguette oder geröstetem Weißbrot. Und für die Herrschaften, die’s gerne scharf mögen, reicht man dann eben das Tabasco-Fläschchen oder Chilipulver mit.

 

 

* Ich mag in diesem Fall Rauchsalz
** Ich mag Knoblauchquetschen nicht sehr. Es geht zwar schnell mit ihnen, aber die ätherischen Öle des Knoblauchs, die ja den Geschmack tragen, gehen dabei verloren. Feingeschnittener Knoblauch gibt definitiv mehr her.
*** Die würden beim Anbraten bitter, daher sorgfältig weg damit
**** Das ist vor allem dann wichtig, wenn man Kinder mitfüttern will. Dabei geht nämlich der Alkohol verloren.

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One Comment leave one →
  1. Vera Binder permalink
    11. Juni 2012 08:05

    in- (oder auch un-) decent behaviour heißt das. Jedenfalls bei Woderhouse 😉

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