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Glaube, Religion und Kindererziehung

12. Juni 2012

Glaube und Religion

Ihr Lieben, der Titel sollte „Warnung“ genug sein: Wenn Euch das Thema absolut nicht interessiert, bitte nicht weiterlesen.

Ich hatte in Pharmamas (übrigens sehr empfehlenswertem) Blog eine kleine Diskussion mit Izobel zum Thema „Glaube und Erziehung“, in der ich ausführte, dass bei mir vor Jahren mal eine Beziehung daran gescheitert ist, dass der Partner katholisch war und aus einer Familie kam, in der es undenkbar gewesen wäre, die Kinder anders als (sehr) katholisch zu erziehen. Ich aber bin eine sehr überzeugte Protestantin, die Probleme gehabt hätte, eine katholische Erziehung mitzutragen.

Ich will die Gründe dafür jetzt nicht in aller Ausführlichkeit vortragen, aber anschneiden sollte ich sie wohl schon: Zum einen stört mich grundsätzlich die „Frauenfeindlichkeit“ der katholischen Kirche. Wie sollte ich einer Tochter gegenüber vertreten, dass sie zwar (vielleicht) ministrieren darf, aber zum Beispiel nicht Priester werden dürfte? Dazu kommt natürlich noch, dass es in der katholischen Kirche Dogmen gibt, die ich nicht vertreten könnte. Das fängt bei der „Unfehlbarkeit des Papstes“ an; geht über den Anspruch, dass die katholische Kirche die „alleinseligmachende“ ist (was ja vor nicht allzulanger Zeit vom jetzigen Papst wieder bestätigt wurde, als er den evangelischen Christen mehr oder minder absprach, dass ihre Kirche wirklich als solche anzuerkennen ist), die „Mittlerrolle“ des Priesters, die Ehe als Sakrament, die katholische Einstellung zur Homosexualität bis hin zur Heiligen- und Marienverehrung. Ich bin nicht umsonst Protestantin und obwohl ich zwar nicht daran glaube, dass der liebe Gott aufs „Parteibuch“ guckt und ich im „Himmel“ keine Katholiken treffen werde, so ist für mich der Protestantismus nun mal die „Form“, in der ich meine Glaubensauffassung am weitesten repräsentiert sehe und die protestantische Kirche die, in der ich mich am meisten zuhause fühle.

Nun schrieb mir Izobel, dass sie – katholisch erzogen, aber mittlerweile jemand, der „mit Glauben und Religion null anfangen kann“ – einen Freund hat, dessen Mutter sehr katholisch-gläubig ist und dass sie da Probleme für die Zukunft voraussehe. Ich denke, ich darf sie zitieren:

„Wenn ich an die Zukunft denke, mache ich mir schon Sorgen, da ich weiss, dass die Mutter reinfunken wird, sei es bei der Hochzeit oder wenn ein Kind mal da sein sollte, Taufe, Kommunion, Firmung, etc. Mein Freund ist relativ kompromissbereit, ich hätte auch nichts dagegen, mein Kind taufen zu lassen. Allerdings hört es bei mir da schon auf. Ich selbst wusste mit gerade mal 9 Jahren bei der Kommunion nicht, um was es überhaupt geht. Da ist es bei den Protestanten mit ihrer späten Konfirmation schon besser, aber ich finde, die Kinder sollten nicht schon von Anfang an in eine “Rolle” gedrängt werden, so wie es bei meinem Freund auch passiert ist. Wenn ich es hart und unfair ausdrucken möchte: für mich ist der Glauben an Gott Schwachsinn. Deshalb ist für mich die Vorstellung schwierig, mein Kind nur in die Nähe solch eines Glaubens zu bringen, aber durch meinen Freund komme ich wohl nicht drum herum. In so einem Fall könnte man sich ja eben in der Mitte treffen und sagen, Taufe, Relgionsunterricht ok, Integrierung in die Gemeinde oder als Ministrant anmelden – nein.“

Ich denke, das wäre ein guter Kompromiss. Dazu möchte ich Dir aber gerne ans Herz legen, dass Glauben meines Erachtens Kindern viel erleichtert. Du musst als Mutter sicher nicht „heucheln“, aber ich würde doch mal mit meinem Freund darüber reden, ob er zum Beispiel mit den Kindern am Abend ein Nachgebet sprechen will. Ich erinnere mich nämlich, dass das als Kind für mich wichtig war. Ich hatte im Dunkeln eigentlich durchaus Angst – aber das Nachtgebet, in dem meine Eltern sagten: „Gott beschützt dich“, hat mir geholfen. Wenn ich mich gegrault habe, hielt ich mich daran fest: Der liebe Gott passt ja auf mich auf.

Izobels eigentliche Frage kam aber im nächsten Absatz:

„Wie würdest du reagieren, wenn deine Kinder sich gegen den Glauben entscheiden? Oder sich schon im Grundschulalter nicht damit anfreunden können? (Ich will dir nichts unterstellen, aber mir tut es schon weh bei dem Gedanken, dass mein Freund als Kind so sehr reingezwängt wurde, nur um die Mutter stolz zu machen. Er hat sich zwar nicht dagegen gewehrt, aber hat es aus Gewohnheit einfach über sich ergehen lassen.)“

Ich habe keine Kinder und ich werde auch keine mehr kriegen, aber ich wäre darauf eingestellt gewesen, dass ein Kind von mir in der Pubertät lauthals brüllt „Lass mich mit dem Glaubensquatsch in Ruhe! Ich bin Atheist.“ Das würde ich als „normalen“ Verlauf des Ablösungsprozesses von den Eltern betrachten und zunächst einmal unter „Das verwächst sich schon wieder“ verbuchen. Wenn es sich aber nicht „verwachsen“ würde und mein Kind auch als Erwachsener Agnostiker oder Atheist wäre, würde ich das selbstverständlich akzeptieren. Mein Erziehungsziel wäre ja auch Eigenständigkeit gewesen, ergo müsste ich damit leben, dass bei eigenständigen Denkprozessen ein anderes Ergebnis rauskommt als bei mir. Ich würde meinem Kind aber durchaus sagen, dass ich es schade finde, weil meiner Ansicht nach das Leben als Atheist schwieriger ist. Und ich würde selbstverständlich weiter für mein Kind beten und wäre auch weiter überzeugt, dass es in Gottes Hand steht – auch wenn das Kind das selbst nicht glaubt.

Ich habe es immer so gesehen, dass mein Glaube für die Menschen in meiner Umgebung eine Art „Angebot“ ist. Sie werden unweigerlich eines Tages damit konfrontiert – und dann ist es an ihnen. Sie können mit mir darüber reden, sie können mich danach fragen, sie können (auch sehr kontrovers) mit mir darüber diskutieren. Solange die Leute akzeptieren und respektieren, dass ich gläubig bin, habe ich kein Problem damit, dass sie es nicht sind oder dass sie an etwas anderes als ich glauben. Ich werde nur sauer, wenn jemand doofe Witze reißt – wie zum Beispiel jener Herr, mit dem ich mal ganz kurz eine Affäre hatte und der dann meinte, mir zu Ostern eine Postkarte mit einem Comic schicken zu müssen, der einen gekreuzigten Elch zeigte. So etwas finde ich zum einen absolut nicht witzig und zum zweiten in einer Art unsensibel, die nicht akzeptabel ist. Für mich fühlt sich so etwas nämlich an, als wenn jemand über den Tod meiner Eltern dumme Witze machen würde. Mit Leuten, die über die religiösen Gefühle anderer so wegtrampeln, kann und will ich nicht befreundet sein.

Aber ich könnte mir nicht vorstellen, dass mein Kind so etwas täte – ich denke nämlich, dass meine Erziehung, wenn sie schon nicht zum Christentum geführt hätte, zumindest den Respekt vor religiösen Gefühlen anderer beinhaltet hätte.

Habe ich damit Deine Frage beantwortet?

Dann bitte ich jetzt meine Freunde durchaus um Meinungsäußerung und gucke speziell in Richtung Daniel. 😉

Dabei fällt mir noch ein kleines PS ein: Mein Bruder hat mit Glauben und Religion nichts am Hut. Seine Kinder sind (protestantisch) getauft, wobei das wohl die Konzession an meine gläubigen Eltern und mich war und in die Richtung „Schaden wird’s ihnen nicht und wenn’s die Familie freut, nutzen wir die Gelegenheit, die Ankunft des neuen Erdenbürgers zu feiern.“ Aber was bei ihnen an „christlicher Erziehung“ ankam, kam von den Großeltern und mir. Das Resultat ist übrigens, dass  der Große ein „besserer“ Christ als ich geworden ist – der geht öfter in die Kirche und engagiert sich da bedeutend mehr als ich faule Socke. Und er hat übrigens seine große Liebe beim Bibelkreis kennen gelernt und beabsichtigt, eines (hoffentlich nicht mehr allzu fernen) Tages eine „christliche Familie“ mit ihr zu gründen.

 

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One Comment leave one →
  1. 12. Juli 2012 20:45

    Wieso denn Elch?
    Wie kommt man denn da auf einen Elch?

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