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Werkstattbericht, der erste: Max bastelt an einem Krimi

29. Juni 2013

Es passiert mir immer wieder und es amüsiert mich immer wieder: Ich werde gefragt, ob ich gerade etwas schreibe. Und immer, wenn ich die Frage höre, möchte ich antworten: „Ja, was sollte ich denn sonst tun?“ Ich bin Autorin. Schreiben ist mein Beruf. Ich verdiene meine Brötchen und die Butter darauf dadurch, dass ich schreibe. Und weil ich es leider noch immer nicht geschafft habe, einen Bestseller zu produzieren, geht es mir wie dem Friseur um die Ecke oder dem Bäcker die Straße runter: Der Friseur schneidet immer noch Haare und der Bäcker bäckt immer noch Brötchen (auch wenn nicht ganz sicher ist, ob er den Teig dafür noch selbst macht). Ich schreibe immer noch. Ich schreibe Artikel, PR-Geschichten, mehr oder weniger längliche Texte über Pferde und ja, hin und wieder schreibe ich auch noch Bücher. Um genau zu sein: Im Moment arbeite ich sogar an zwei Büchern.

Das erste ist ein Sachbuch, in dem es – wen wundert’s bei mir? – um Pferde geht. Oder, um ganz genau zu sein: Um Pferderassen. Natürlich werde ich mich bemühen, das so informativ und dabei doch „unterhaltsam“ wie möglich zu schreiben, natürlich bilde ich mir ein, dass ich zu dem Thema noch was zu sagen habe, was nicht schon xundzwanzig mal gesagt wurde, aber der Wahrheit die Ehre: Das ist Routine, um die ich mir im Vorfeld nicht allzu viele Gedanken machen muss.

Was mich momentan mehr beschäftigt, ist der nächste Krimi – und nein, es geht nicht mit der Serie „Tierisch …“ mit der Amtsveterinärin „Fritz“ weiter. Da habe ich nämlich schon die nächsten zwei Bände fertig, was heißt, dass der vierte Band – wenn meine Fritz so lange durchhält, was ich  ihr natürlich sehr wünsche – erst im Sommer 2016 erscheint.

Darum ist jetzt eine neue Serie angesagt. Fritz kriegt eine „Schwester im Geiste“, die allerdings in einem ganz anderen Gebiet unterwegs ist: Juliane ist Musikwissenschaftlerin (ja, klar – ich wollte schon immer mal einen Musikeunuchen schreiben. Wie wir alle wissen: die MuWis wissen zwar, wie es geht, können es aber nicht), mit einem sehr charmanten Bariton verheiratet und macht mit ihm als Team in Opernregie. Und ihr erster Fall passiert dann auch prompt in der Oper: Bei der Premiere zu „Rigoletto“ kriegt derselbe den Schock fürs Leben. Rigoletto gibt bekanntlich einem Profikiller den Auftrag, den Herzog von Mantua um die Ecke zu bringen. Der hat nämlich Rigolettos geliebte Tochter Gilda ent- und verführt. Dabei muss er echt gut gewesen sein. Blondchen Gilda ist ihm nämlich so verfallen, dass sie, als sie mitkriegt, dass Väterchen einen Mörder gedungen (nein, das Wort kommt nicht von „gedingst“) hat, meint, sie müsste sich für den Geliebten opfern. Was dabei rauskommt, ist dann „typisch Oper“: Im „Figaro“ und in der „Fledermaus“ flirten die Herren mit ihren eigenen Ehefrauen und raffen es nicht, im „Rigoletto“ meuchelt der Mörder versehens die als Junge verkleidete Gilda und stopft sie in einen Sack, ohne zu merken, dass er das falsche Opfer erwischt hat (und ich habe eine Produktion mit Luciano Pavarotti als Herzog und Editha Gruberova als Gilda auf DVD. Nun war die gute Editha zwar keine Elfe, aber von „Primatonna“ war sie auch ein gutes Stück entfernt. Größen- und gewichtsmäßig war sie auf jeden Fall recht weit von Luciano Pavarotti, der auch damals – und da war er noch relativ jung – schon ein Brocken war, entfernt). Und dann kommt es noch dicker: Rigoletto übernimmt den Sack, zahlt den Mörder für den vollzogenen Auftrag, packt dann aus – und rafft erst dann, dass er nicht den toten Herzog, sondern seine sterbende Tochter im Sack hat. Gilda beißt dann auch in seinen Armen – übrigens für Opernverhältnisse sehr kurz (ich glaube, sie braucht ungefähr fünf Minuten. Bei Wagner hätte das wieder Stunden gedauert!) – ins Gras und die Oper ist aus.

In meinem Krimi ist Gilda schon mausetot, als Rigoletto sie auspackt. Und sie sieht nicht mehr gut aus. Sie wurde nämlich mit einer relativ dünnen Schlinge erwürgt, was der Schönheit definitiv abträglich ist, wie mir ein befreundeter Medizinmann mit Erfahrung in der Pathologie bestätigt hat.

Nun ist natürlich die Frage, wer die Sopranistin, die Gilda gesungen hat, zwischen ihrem letzten Auftritt und dem Einsacken um die Ecke gebracht hat. Und Julchen als Ex-Fagottistin (ja, gewisse Ähnlichkeiten zu mir hat sie schon. Nur werde ich mir erlauben, sie jünger und hübscher zu schreiben. Das nennt man „dichterische Freiheit“) kriegt immerhin schon mal raus, dass die Mordwaffe der Wickeldraht war, wie ihn Oboen, Englisch Hörner und Fagotte zum Zusammenbinden ihrer Rohrblätter verwenden. Aber von den Bläsern kann es keiner gewesen sein – die sitzen während der Oper im Orchestergraben, wo es doch sehr auffallen würde, wenn einer verschwinden würde (und nein, Pinkelpausen sind nicht vorgesehen! Von Orchestermusikern wird erwartet, dass sie es sich für die 1 ½ Stunden, die sie jeweils vor und nach der Pause im Graben sitzen, verkneifen können). Demzufolge kann’s auch nicht der Dirigent gewesen sein, wobei der allerdings Grund gehabt hätte. Er war nämlich mit dem Mordopfer verheiratet – eine sehr „stürmische“ Ehe, die gerade in einem Skandal geendet hat, weil er von einem Paparazzo dabei erwischt wurde, wie er die Frau Gemahlin bei einem Streit ein bisschen geschüttelt und mit Prügel bedroht hat. Und nachdem die Dame schon diverse Male mit merkwürdigen Verletzungen aufgetaucht ist, dient sie nun als Beispiel dafür, dass es auch in „besten Kreisen“ häusliche Gewalt gibt. Deswegen ist sie beim Herrn Gemahl ausgezogen, was der nicht eben toll gefunden hat.

So weit bin ich gediehen. Und ich habe auch schon eine Ahnung, wer die Dame umgebracht hat – aber das ist bis jetzt nur eine Ahnung. Ich grüble daran, wie ich das in die Geschichte stricke und wie ich außerdem dafür sorge, dass die schlaue Jule drauf kommt. Und wenn sich dabei noch ein bisschen „Action“ ergibt – in einem Opernhaus kann man ja, wen man jemanden umbringen will, allerlei anstellen – bin ich, wie meine englischen Freunde so schön sagen, „a happy bunny“.

Außerdem bräuchte ich, bevor ich loslegen kann, noch einen gescheiten Titel für die Story. Ich gehöre nämlich zu den absoluten „Top-Bottom-Schreibern“. Ich fange wirklich mit dem Titel an und schreibe dann gerade aus bis zu dem schönen Wörtchen „Ende“. Und damit sich die neue Serie wirklich von der anderen unterscheidet, werde ich dieses Mal eine „Ich-Erzählerin“ haben. Das hat nämlich auch den Vorteil, dass ich jede Menge Musikerwitze unterbringen kann. Und die waren ja Ausgangspunkt dafür, dass ich die Serie machen will. Ich fand’s schon immer faszinierend, dass die meisten Leute glauben, die klassischen Musiker seien todernste Künstler, die ihren Dienst in der Oper immer antreten, als ob ihnen Cosima Wagner bei der Zelebration des „Bühnenweihefestspieles“ Parsifal über die Schulter gucken würde. Und von der guten Cosima war bekannt, dass sie unter einem beklagenswerten Mangel an Humor litt. Das ist für Musiker aber eher atypisch. So ernst sie ihren Job nehmen, so gibt’s nichts, was bei ihnen nicht durch den Kakao gezogen wird. Und in der Oper gibt’s eine Menge, worüber man grinsen und feixen kann. Das soll um der „authentischen Atmosphäre“ willen im neuen Krimi mitkommen – und außerdem soll er Spaß machen. Düster und depri überlasse ich gerne den Autoren aus dem hohen Norden.

So – und nächste Woche soll’s wirklich losgehen. Drückt mir die Daumen!

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